Prinzipien der Produktionsschule


Bundesverband Produktionsschulen e.V.

Der Bundesverband Produktionsschulen e.V. (ehemals: Arbeitsverbund Produktionsschulen Nord) hat sich mit der Zielstellung gegründet, die Umsetzung des Produktionsschulgedankens qualitativ abzusichern und das Produktionsschulkonzept weiterzuentwickeln. Der Bundesverband Produktionsschulen e.V. (BVPS) legt hiermit fachliche Prinzipien für die Produktionsschularbeit vor. Die Festlegung von Prinzipien im Sinne von Standards ist notwendig, um den derzeitigen Initiativen und Aktivitäten in Norddeutschland Perspektiven für den Aufbau einer exzellenten Produktionsschule zu weisen.

 

Präambel

Das Schulsystem in Deutschland mit seinen hoch entwickelten Selektionsmechanismen lässt Tausende Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen und kulturell benachteiligten Schichten nahezu chancenlos bleiben. Ein Bildungssystem, das die kulturellen und sozialen Voraussetzungen der Individuen so wenig zum Ausgangspunkt des Lernens macht wie in Deutschland, reproduziert soziale Ungleichheit und wirkt damit verheerend auf die Verteilung von Lebenschancen. Die Produktionsschulen wollen mit ihrem Lernkonzept einen Beitrag zur Überwindung von Bildungsarmut leisten. Sie verstehen sich in erster Linie als ein Angebot an Systemverlierer, die nicht über die Basiskompetenzen verfügen, die nötig sind, um auf dem Erwerbs-, Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu bestehen.

Produktionsschule ist ein Lernort, an dem Arbeiten und Lernen sich gegenseitig bedingen. Junge Menschen machen in Produktionsschulen Lernerfahrungen an „sinnbesetzten Gegenständen“ (Produktion und Dienstleistungen). Im Mittelpunkt steht eine sehr hohe Praxis- bzw. Handlungsorientierung aller Lernprozesse. Mit ihrem Konzept des praktischen Lernens machen Produktionsschulen die erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen der Jugendlichen zum Ausgangspunkt. Produktionsschulen legen dabei besonderen Wert auf eigene Wirksamkeitserfahrungen und die Eigenmotivation der Lernenden.

Eine Produktionsschule ist ein facettenreicher Lern- und Arbeitsort für junge Menschen, der geprägt ist von Freude am Lernen und Arbeiten, von der Neugier auf Veränderung und einem konstruktiven Miteinander. Junge Menschen sollen Produktionsschule als einen Ort wahrnehmen, mit dem sie sich identifizieren können und den sie gerne besuchen. Hier können sie sich in vielschichtiger Weise erproben und das Gefühl bekommen, um ihrer selbst willen angenommen und respektiert zu werden. Sie können schrittweise ihre Stärken ausweiten und nach und nach ihr eigenes Leben aktiv und verantwortlich steuern. Das pädagogische Handeln der Mitarbeiter/innen ist geprägt durch eine respektvolle Haltung gegenüber der Person und ihrem Lebensentwurf. Dies bedeutet: empathische Zuwendung, nachvollziehbare Grenzziehung und Orientierung an Erfolg und Stärken.

Produktionsschul-Pädagogik knüpft damit an reformpädagogische Traditionen an: Produktionsschule versteht sich als Bildungs-, Arbeits- und Lebensort, in dem Jugendlichen neue Erfahrungen machen können und der ihnen Übergänge zu Bildung und Beruf ermöglicht. Produktionsschule kann damit ihre Erfahrungen und Erfolge selbstbewusst in die Diskussion über die Zukunft des deutschen Bildungssystems einbringen.

1. Ziele
  • Eine Produktionsschule entwickelt Orientierungs-, Vorbereitungs- und Qualifizierungsangebote für Jugendliche und junge Erwachsene (im Folgenden zumeist: „Teilnehmer“), um ihre berufliche und soziale Integration zu ermöglichen. Vorrangig will eine Produktionsschule Jugendliche ohne Abschluss oder mit unzureichendem Schulabschluss durch arbeitsbegleitende Qualifikationen in das Erwerbsleben integrieren.
  • In einer Produktionsschule sind die Teilnehmer – unter fachlicher Anleitung – produzierend tätig. Es geht um die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen, die Herausbildung sozialer und methodischer Kompetenzen sowie Fachqualifikationen. Fachliche Qualifizierung und Entwicklung sozialer Kompetenzen gehen Hand in Hand, um Persönlichkeitsstabilisierung und Persönlichkeitsentwicklung anzuregen.
  • Eine Produktionsschule vermittelt eine positive Einstellung zum lebenslangen Lernen und fördert damit die Eigenverantwortung für die Ausgestaltung des Lebensweges.
  • Produktionsschulen verstehen sich als ein eigenständiger Bestandteil des beruflichen Bildungssystems.
2. Allgemeine Merkmale
  • Eine Produktionsschule produziert für den Verkauf bzw. bietet Dienstleistungen an, die auf dem freien Markt realisiert werden. Lernprozesse finden über Produktionsprozesse statt; es erfolgt keine Trennung zwischen Lern- und Arbeitsort. Produktorientierung führt zum Erkennen des Wertes der eigener Arbeit.
  • Die technischen und sozialen Organisationsstrukturen sind betriebsnah ausgerichtet. Die Lern- und Produktionsprozesse sind für die Teilnehmer nachvollziehbar und hinterfragbar. Die Produktionsbereiche („Werkstätten“) sind die didaktischen und pädagogischen Zentren einer Produktionsschule.
  • Die Werkstätten einer Produktionsschule enthalten ein Angebot verschiedener Berufs-, Arbeits- oder Tätigkeitsfelder.
  • Produktionsschulen wollen Jugendliche mit Arbeitserfahrungen und ganzheitlichem, lebenspraktischem Lernen ausstatten und durch praktische Arbeits- und Beschäftigungsfelder Bewährungsmöglichkeiten schaffen, die die gesellschaftliche Teilhabe der Jugendlichen sichern und die (Re-) Integration in Bildung, Beschäftigung und Arbeit unterstützen.
  • Produktionsschulen können neben produktionsbezogenen Angeboten und Teilqualifizierungen auch schulische Abschlüsse anbieten.
3. Zielgruppen
  • Produktionsschulen nehmen junge Menschen im Alter von 15 – 25 Jahren beim Übergang in Ausbildung und/oder Erwerbstätigkeit auf.
4. Freiwilligkeit
  • Produktionsschule basiert auf der freiwilligen Entscheidung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Sie werden in der Regel nicht durch öffentliche Institutionen zugewiesen. Sie müssen sich an einer Produktionsschule bewerben.
  • Freiwilligkeit bedeutet nicht Willkür. Die Jugendlichen müssen sich selbstverständlich in der Produktionsschule an die „Regeln des Hauses“ halten.
5. Pädagogischer Rahmen
  • Die pädagogische Arbeit orientiert sich am gesamten Menschen mit all seinen Facetten und Eigenheiten. Produktionsschulpädagogik will die persönlichen Kompetenzen der Heranwachsenden stärken und Sicherheit und Vertrauen aufbauen.
  • Die Lernprozesse einer Produktionsschule basieren auf dem Erleben des Zusammenhangs von Handlung und Folge. Die eigene Kompetenzentwicklung wird für den Teilnehmer begreifbar. Die Heranwachsenden können Vertrauen zu den eigenen Fähigkeiten entwickeln und – durch intensive Begleitung und Reflexion ihrer Entwicklungserlebnisse – verantwortliche Entscheidungen treffen.
  • Ziel des Besuchs einer Produktionsschule ist die persönliche Veränderung, z.B. in Form von Kompetenzerweiterung oder dem Ablegen von gewohnten Verhaltensweisen. Die pädagogische Arbeit und die Lern- und Arbeitsatmosphäre sind darauf ausgerichtet, den Teilnehmern ein möglichst optimales Lernumfeld zu schaffen und so möglichst aussichtsreiche Voraussetzungen für Veränderungsprozesse zu bieten.
  • Eine Produktionsschule muss zwischen pädagogischen und betriebswirtschaftlichen Kriterien abwägen. Die Aufträge und Produktionen basieren auf einem pädagogisch-didaktischen Konzept. Sie müssen immer wieder auf die Zielgruppe abgestimmt werden, so dass Wirtschaftlichkeits- und Förderaspekte berücksichtigt werden.
6. Kompetenzfeststellung und Förderplanung
  • Produktionsschulen arbeiten auf Basis des Kompetenzansatzes; eine Produktionsschule nimmt Jugendliche in ihren Fähigkeiten und Stärken wahr, um die Kette bisheriger Defizit- bzw. Misserfolgserfahrungen zu durchbrechen.
  • Der Einstieg der Jugendlichen erfolgt über erprobte Verfahren zur Kompetenzfeststellung.
  • Kompetenzfeststellung sollte mit der individuellen Förderplanung untrennbar verbunden sein. Individuelle Förderplanung enthält arbeitswelt-, fachbezogene und sozialpädagogische Lernschritte; sie ist biographie- und lebensweltorientiert.
7. Didaktische Leitlinien
  • Produktion und Dienstleistung bilden den didaktischen Kern einer Produktionsschule. Der Lernprozess ist gekennzeichnet durch individuelles und situatives Lernen in realen Arbeitssituationen; die Jugendlichen erfahren hierbei den Nutzen ihrer Tätigkeit.
  • Didaktisch geht es um einen Abgleich zwischen Person und Auftrag: „Gibt es einen pädagogischen Wert in der Arbeit, im Auftrag, in der Produktion“?
  • Die handlungs- und projektorientierten Angebote einer Produktionsschule beziehen sich auf Produkte und Dienstleistungen in der Region, die mit Betrieben und Einrichtungen abgestimmt sind.
  • In einer Produktionsschule können Zertifikate für bestimmte erworbene Fähigkeiten und Fertigkeiten vergeben werden.
  • Konstitutiv für die Didaktik der Produktionsschule ist das Prinzip des selbsttätigen Lernens; dazu ist besonders die Methode des Voneinander- und Miteinanderlernens angeraten.
  • Produktionsschule kennt neben der Produktion auch Unterricht; notwendig sind variable Unterrichtseinheiten und eine Vielfalt der Methoden.
  • Eine Produktionsschule kann die Vorbereitung auf einen staatlich anerkannten Schulabschluss anbieten.
  • Bei der Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen sowie entsprechender Lehr- und Lernmaterialien sind die Erfahrungen aus der Lern- und Arbeitswelt der Teilnehmerinnen und Teilnehmer einzubeziehen.
  • Stärkung der Medienkompetenzen, Entwicklung und Festigung sozialer Kompetenzen, Entwicklung kultureller Projekte, Einzelangebote zur Entwicklung der Ausbildungs- und Beschäftigungsreife und weitere berufs- und lebensvorbereitende Angebote gehören in das Angebotsspektrum.
  • Der ganzheitliche Ansatz einer Produktionsschule ist durch zusätzliche Angebote für musische, politische und soziale Bildung geprägt. Hierzu gehören auch Freizeitangebote, die möglichst gemeinsam mit den Werkstattpädagogen gestaltet werden sollten.
8. Lernumgebung – Lernatmosphäre
  • Lernen und Produktion in der Produktionsschule finden in einer inhaltlich zusammenhängenden Lernumgebung statt. Produktion, kognitives Lernen und persönliche Entwicklung müssen in der Wahrnehmung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine stimmige Einheit bilden. Die Lernatmosphäre ist geprägt von gegenseitiger Achtung und Wertschätzung. Sie soll die „Schaffung von Heimat“ für die Jugendlichen ermöglichen.
  • Produktion, Anleitung, Orientierung und persönliche Begleitung/Beratung formen eine Einheit und bilden so die Grundlage für eine wirkungsvolle Lernumgebung.
  • Die Jugendlichen sollen bei der Erfüllung der Produktionsaufträge Gemeinschaft erfahren; die Organisierung von sozialer Gruppenarbeit ist eine zentrale Anforderung.
  • Eine Produktionsschule sollte ein für die Jugendlichen und für das Personal „überschaubares Haus“ sein, in dem eine ansprechende und individuell förderliche Lernatmosphäre herrscht. Die Theorie- und Praxisräume sind adäquat zu gestalten: Produktionsschulen zeichnen sich durch offene, helle und angenehm wirkende Räumlichkeiten aus.
  • Hauptkennzeichen einer Produktionsschule sind verschiedene Werkstätten unterschiedlichen Produktions- und Dienstleistungsangeboten; die Jugendlichen lernen durch das breite Angebot verschiedener Berufs-, Arbeits- oder Tätigkeitsfelder kennen. Zur Erweiterung der Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten sind ebenso Praktika außerhalb der Produktionsschule denkbar.
9. Organisation der Lern- und Arbeitsprozesse
  • Die Jugendlichen können ständig (ganzjährig) in eine Produktionsschule einsteigen. Die Verweildauer der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist individuell; der Ausstieg ist jederzeit möglich. Der Verbleib in einer Produktionsschule ist grundsätzlich an den individuellen Erfordernissen des Teilnehmers orientiert.
  • Es gibt eine transparente Entlohnung für die Teilnehmer/innen.
  • Die maximale Teilnehmerzahl in den Werkstätten hängt von der Zahl der jeweiligen Werkstattpädagogen ab; die Betreuungszahl pro Werkstattpädagoge beträgt idealerweise 6 – 8 Jugendliche.
  • Produktionsschulen gehen (bei einer 40-Stunden-Woche) von etwa 30-34 Stunden Werkstattarbeit der Pädagogen pro Woche aus. Es ist hinreichend Zeit für die Akquisition von Aufträgen, zur pädagogischen Vorbereitung und zur Begleitung der Jugendlichen (Jobcoaching; Berufswegeplanung und -begleitung etc.) bereitzuhalten.
  • Eine Produktionsschule hat eine spezifische Tages-, Wochen- und Monatsstruktur. Bei der Tagesstruktur ist das gemeinsame Essen (Frühstück und/ oder Mittagessen) aller Teilnehmer und aller Werkstattpädagogen im Sinne des „Heimatgedankens“ erwünscht.
  • Alle Prozesse in einer Produktionsschule sind für die Teilnehmer/innen nachvollziehbar und hinterfragbar. Dies gilt auch für Entscheidungen der Fachkräfte.
  • Eine Produktionsschule hat wöchentliche Teamgespräche der Werkstattbereiche sowie regelmäßige pädagogische Konferenzen mit Fallbesprechungen.
  • Die jungen Menschen gestalten die Lern- und Arbeitsprozesse einer Produktionsschule (verantwortlich) mit.
10. Fachkräfte – Personalentwicklung
  • Die Kompetenzen der Fachkräfte und deren kommunikative Bindungen an die Teilnehmer/innen sind wichtige Erfolgsfaktoren einer Produktionsschule. Ein möglichst hohes Niveau in werkstatt- und sozialpädagogischen Kompetenzbereichen sowie die stetige Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten und der Produktionsschule selbst sind zentral.
  • Die Fachkräfte einer Produktionsschule stammen in der Regelaus verschiedenen Berufen. Besonders geeignet sind Fachkräfte mit Erfahrungsvielfalt, Doppel- bzw. Mehrfachqualifikationen.
  • In einer Produktionsschule sollte ein „Mix“ verschiedener Professionen herrschen: Die Fachkräfte sollen sich nicht nur als Berufspädagoge, Sonderpädagoge oder Sozialpädagoge verstehen, es bedarf vielmehr eines „Produktionsschulpädagogen“. Für die Herausbildung einer Profession „Produktionsschulpädagoge“ ist systematischer Wissensaustausch, eine gemeinsam getragene Identität sowie spezielle Aus- und Fortbildungen Voraussetzung.
  • Die notwendigen inneren Haltungen der Fachkräfte lassen sich so beschreiben: „Engagement“, „Enthusiasmus“, „Zuneigung zu den Teilnehmern“, „entwicklungsorientiert“, „sich zurückhaltend“.
  • Neben der pädagogischen Arbeit ist die Akquisition von Aufträgen eine zentrale Aufgabe, für die die Fachkräfte Managementqualifikationen benötigen.
  • Alle Fachkräfte schließen Vereinbarungen mit der Leitung über die zu erreichenden Ziele der Produktionsschule ab. Die Vereinbarungen sind zu kommunizieren und untereinander abzustimmen.
  • Produktionsschulen legen Wert auf die persönliche Entwicklung ihrer Fachkräfte. Die Fachkräfte einer Produktionsschule wiederum müssen auf ihre ständige fachliche Weiterentwicklung sowie auf die qualitative und methodische Überprüfung ihres Handelns achten. Unabdingbar sind hierzu entsprechende Instrumente (z. B. Supervision, kollegiale Beratung) sowie die Bereitschaft, die eigene Arbeit und deren Ergebnisse kritisch zu hinterfragen und erforderlichenfalls zu ändern.
11. Strukturelles
  • Jede Produktionsschule entwickelt ihr originäres Leitbild, das neben pädagogischen Grundsätzen die Bezüge zu regionalen Märkten erläutert.
  • Jede Produktionsschule hat eine Leitung; bei der Leitung kann Rotation herrschen. Die Leitung ist dem Kollegium und einem Beirat bzw. einer Steuerungsgruppe verantwortlich.
  • Neben der Leitung begleitet eine Steuerungsgruppe/Beirat die Entscheidungsprozesse einer Produktionsschule. Dieses Gremium besteht aus verschiedenen Vertretern, z.B.: regionale Wirtschaft, Tarifpartner, Religionsgemeinschaften, Politik, NGOs, Gemeinwesen, etc.
  • Wenn in einer beruflichen Schule eine Produktionsschule errichtet wird, müssen grundsätzlich die strukturellen, organisatorischen und pädagogischen Produktionsschulprinzipien eingehalten werden.
  • Externe Überprüfung/Qualitätssicherung: Jede Produktionsschule sollte sich durch unabhängige Gutachter zertifizieren lassen. Eine Produktionsschule sollte sich landesweit vernetzen (regelmäßiges Treffs, Internet-Portal, „Good-practice-Foren“ etc.)
  • Eine Produktionsschule ist daran interessiert, zur rechtlichen Absicherung bzw. zur Modifikation bestehender Schulgesetze in Richtung Produktionsschule beizutragen.
12. Finanzielles
  • Eine Produktionsschule muss ein Jahres-Budget als Finanzierungsrahmen anstreben. Sie sorgt für die Gewährleistung einer längerfristigen Finanzierungssicherheit.
  • Gebäude und Boden einer Produktionsschule werden von der Produktionsschule eigenverantwortlich bewirtschaftet; zur Gewährleistung der „Nachhaltigkeit“ empfiehlt sich, dass die Gebäude sich im Eigentum der Produktionsschule befinden.
  • Eine Produktionsschule sollte im Laufe ihrer Entwicklung und ihrer regionalen Vernetzung ein finanzielles Minimum von 5% bis 10% pro Jahr selber erwirtschaften.
  • Produktionsschule strebt langfristig an, mit einer stabilen staatlichen und kommunalen Finanzierung (bzw. einer Kombination beider) zu wirtschaften.
13. Verbünde/Kooperationen/Netzwerke
  • Die Aufträge einer Produktionsschule stammen aus der Kommune, von örtlichen Betrieben und privaten Kunden; daher sind regionale Kooperationsbeziehungen unerlässlich.
  • Eine Produktionsschule entwickelt Kooperationen oder Verbünde mit Betrieben zur Erweiterung der Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten ihrer Teilnehmer/innen. Lernfelder und -orte sind Klein- und Mittelbetriebe, Handwerks- und Industriebetriebe, außer- und überbetriebliche Ausbildungsstätten sowie Handels- und Dienstleistungs-unternehmen.
  • Eine Produktionsschule ist mit allgemeinbildenden und Berufsschulen vernetzt, um über Lernortverbünde auch Lernorte außerhalb der Produktionsschule anzusprechen und Perspektiven eines „Lernens im Arbeitsprozess“ zu eröffnen.
  • Eine Produktionsschule hält enge Kontakte zu Einrichtungen und Instanzen der regionalen sozialen Arbeit, um lernhemmenden äußeren Einflussfaktoren wie Krisensituationen im Elternhaus, sozialem Druck in der Peergroup, Schuldenbelastungen, Sucht- oder Gewaltproblematiken nachhaltig entgegenzuwirken.
  • Eine Produktionsschule sucht den Kontakt zu den regionalen Interessenverbänden der Wirtschaft, z.B. Kammern und Innungen.