Geschichte und Entwickling – Jahr 2006


Die Landesregierung baut im Land fünf Produktionsschulen nach dänischem Vorbild auf. Für die Region Westmecklenburg hat die Produktionsschule Westmecklenburg der All Pütter gGmbH in Kooperation mit inab bfw in Greven ihren Betrieb am 01. August 2006 aufgenommen.

Spaß bei der Renovierung

Spaß bei der Renovierung

Diese Produktionsschule soll als Einrichtung der Jugendberufshilfe vorrangig für die Altersgruppen der 15- bis 20-Jährigen an der ersten Schwelle Hilfsangebote zur Integration in die Berufsbildung oder in den ersten Arbeitsmarkt unterbreiten bzw. teilweise bei der Rückführung in den Regelschulbereich Unterstützung bieten. Sie wendet sich dabei an:

  • Schulabbrecher bzw. schulmüde junge Menschen
  • junge Menschen ohne Ausbildungsplatz
  • Ausbildungsabbrecher
  • arbeitslose junge Menschen
  • junge Menschen aus Einrichtungen der Jugendhilfe mit besonderem individuellen sozialpädagogischen Hilfebedarf
  • junge Menschen, die nach einem Schulabschluss eine Orientierung bzw. berufspraktische Vorbereitung zur Aufnahme einer Berufsausbildung suchen,

die sich vorrangig nach dem pädagogischen Modell des produktiven Lernens in Werkstätten unter betriebsgleichen Bedingungen ausprobieren können.

 

Die Produktionsschule Westmecklenburg weist sechs Werkstattbereiche mit unterschiedlichen Produktionsrichtungen auf:

  • Gartenbau und Landwirtschaft (Frau Laakmann)
  • Holzwerkstatt (Herr Thiel)
  • Metallwerkstatt (Herr Gieb)
  • Veredelung Vermarktung Hauswirtschaft (Frau Wendt)
  • Keramikwerkstatt (Herr Lehmann)
  • Kunststoffwerkstatt (Herr Jahnke)

In den Werkstätten wird unter Anleitung dieser Werkstattpädagogen betriebsgleich gearbeitet.

 

Erste Kontaktaufnahme

Erste Kontaktaufnahme

Die Werkstattpädagogen, die Schulleiterin Frau Trepke, die Sozialpädagogin Frau Alex sowie die Verwaltungsfachkraft Herr Falck haben alle zur Vorbereitung des Schulbetriebes ihre Arbeit bereits zum 01.08.2006 aufgenommen. Damit hatten sie die Möglichkeit, sich mit den Produktionsschulprinzipien vertraut zu machen und diese von Beginn an durchzusetzen. Mit zahlreichen Gesprächen, Informationsveranstaltung und Kontakten wurde die Verfahrensweise zur Akquise und Aufnahme vielen Ansprechpartner wie in erster Linie Jugendlichen, Erziehungsberechtigten, Familienbetreuern, Lehrern, Erziehern, Sozialbetreuern etc. vertraut gemacht. Jeder Mitarbeiter hat sich mit dem auseinander gesetzt, was die zukünftigen Produktionsschüler an Vorrausetzungen mitbringen werden und weshalb es für sie Sinn machen wird, die Produktionsschule für sich zu nutzen. Dazu wurden u.a. folgende Foren genutzt:

  • Produktionsschulprinzipien
  • ein Erfahrungsaustausch/ Schulung in der Produktionsschule in Waren
  • thematisierte Teamsitzungen in Vorbereitung der Eröffnung mit Erstellung
    • Schulvereinbarung
    • Hausordnung
    • handlungsorientierten Curriculum für jede Werkstatt (dies ist der Rahmen für die Vermittlung von allgemein bildenden, fachpraktischen und fachtheoretischen Kenntnissen und Fähigkeiten, da es keinen einheitlichen Rahmenlehrplan für PS gibt)
    • innerbetriebliche Abrechnungsmodalitäten
    • Ausbildungshandbuch für Arbeits-, Gesundheitsschutz und Hygiene
    • Arbeitsgrundlagen für Verwaltung von Daten
    • Monatsberichte mit Planung für den Folgemonat als „roter Faden“ u.v.m.
  • Vorstellungsrunde der Mitarbeiter der wissenschaftlichen Begleitung

Diese Möglichkeit, sich in den in den ersten vier Wochen vor der Eröffnung der Produktionsschule, einen Fahrplan erarbeiten zu können, hat die Vorraussetzungen für eine hohe Arbeitsqualität geschaffen. Diese Qualität wird durch jeden Mitarbeiter getragen. Die jungen Menschen sollen sich freiwillig und selbständig an der Schule bewerben. Bei eigenständiger Auswahl bzw. Aufnahme durch die Schule erhalten die Jugendlichen einen eigenen Schulvertrag und für ihre Arbeit ein geringes leistungsabhängiges Entgelt von 5,00 € pro Tag.

Eröffnung durch Frau Trepke

Eröffnung durch Frau Trepke

Aus den Bewerbungen zum Schulbeginn am 01.09.2006 wurden 23 Jugendliche ausgewählt, die gemeinsam mit den Mitarbeitern der Produktionsschule die so genannten „Gründungsmitglieder“ bilden. Zur Eröffnungsveranstaltung wurde den Jugendlichen die Möglichkeit gegeben, Erziehungsberechtigte, Geschwister und auch Freunde mitzubringen. Davon ist auch zahlreich Gebrauch gemacht worden. Die Jugendlichen sind nach der Eröffnung mit ihren Werkstattpädagogen und mitgebrachten Angehörigen in alle Werkstätten gegangen. Sie haben vom Werkstattpädagogen ihren Betriebsausweis erhalten, damit sie sofort die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen konnten. Der Reisedienst Parchim hat dann nach vorherigen Angaben bereits am 01.09.2006 die Fahrausweise übergeben. Der Reisedienst hat auch die Möglichkeit geschaffen, dass alle Jugendlichen gut aus der Region nach Greven kommen können. Diese komplikationslose Zusammenarbeit hat einen wesentlichen Anteil am guten Start der Produktionsschule.

Teamarbeit ist erwünscht

In allen Werkstätten hat ab dem 04.09.2006 der praktische Werkstattbetrieb begonnen. Die Jugendlichen haben die Möglichkeit erhalten, gemeinsam mit ihren Werkstattpädagogen ihre Werkstätten einzurichten. Dazu gehören auch das Herrichten der Räume und das Aufstellen der Maschinen. Es wurde in den ersten 2 Wochen in allen Werkstätten neue Maschinen und Einrichtungsgegenstände mit den Jugendlichen aufgebaut. So haben die Jugendlichen die Gelegenheit von Beginn an dabei zu sein und mitzusprechen. Die Jugendlichen werden in die realitätsnahe Gestaltung des Werkstattalltags mit einbezogen – so erleben sie sich neu. Sie erfahren in ersten Ansätzen Verantwortung zu übernehmen, so wie es den betrieblichen Erwartungen entspricht. In den Werkstätten spürt man durch das gemeinsame Schaffen unter realen betriebsgleichen Arbeitsbedingungen, dass sich allmählich die Gruppen zusammenfinden.

Zur Vorbereitung auf die Zeit nach der PS wird versucht, dass sich die Jugendlichen mit ihren Grenzen auseinandersetzen und Verantwortung übernehmen.

Wie wird dies unterstützt?

  • Es werden mit jedem Jugendlichen Förderplangespräche durchgeführt.
  • In diesen Gesprächen werden sie so gelenkt, dass sie es sind, die sich darüber Gedanken machen, wie sie vom Ist zum Soll gelangen.
  • Sie sind es, die über die dazu erforderlichen Ressourcen Gedanken machen und legen fest wie und mit wem sie dieses Soll erreichen möchten und zu wann.
  • Diese Gedanken werden vom Schüler auf einem Begleitblatt schriftlich festgehalten dieses geht in die Entwicklungsmappe des Schülers.
  • Der Schüler ist neben dem Werkstattpädagogen für die Einhaltung des nächsten Gesprächstermins verantwortlich und kann für sich zur besseren Kontrolle ein Begleitblatt erhalten.

Sie werden angeregt:

  • sich aktiv an dem Entwicklungsprozess der Schule zu beteiligen
  • sich mit dem Schüler neben sich Auseinanderzusetzen
  • Position zu beziehen
  • Tätigkeitsnachweise so zu führen, dass es ein bedeutsames unterstützendes Dokument für sie sein kann und Spiegelbild ihrer Entwicklung ist.
  • dass bei der wöchentlichen Taschengeldauszahlung neben der bloßen Auszahlung des leistungs- und anwesenheitsabhängigen Taschengeldes immer mehr eine Selbst- und Fremdreflexion der individuellen Leistung überdacht, benannt und begründet wird.
  • durch Schülerexkursionen zu erkennen, dass Produktionsschule noch mehr sein kann. Sie erlebten in Ihrer unmittelbaren Umgebung Menschen in bekannten und unbekannten bis hin zu außergewöhnlichen Arbeitsfeldern. Hatten die Möglichkeit sich von diesen Menschen Antworten zu holen auf die sie interessierenden Fragen. Erlebten vor Ort gesellschaftsfähige Normen und Werte. Hatten Spaß miteinander und gemeinsame Erlebnisse auf einer anderen Ebene außerhalb der Produktionsschule.
  • durch Vorbereitung und Durchführungen von gemeinsamen Veranstaltungen (wie die gemeinsame Weihnachtsfeier, gemeinsames Wintergrillen etc.)

Durch das Monitoring aller Produktionsschulen, welches vom Ministerium koordiniert wird, haben wir die Möglichkeit sofort und exakt auf statistische Angaben zu erkennen. So haben wir mit dem Stand der ersten Woche des Schulbetriebes folgende Angaben zur Verfügung:

  • 23 Jugendliche
  • dav. 2 Mädchen und 21 Jungen mit
  • einem Durchschnittsalter von 17,88 Jahren
  • 43,48 % haben einen Förderschulabschluss
  • 39,13 % haben keinen Schulabschluss und
  • 13,04 haben einen HS Abschluss sowie
  • 4,35 fallen unter einen sonstigen Abschluss
  • die Abgangsklassenstufe ist erkennbar

Stand per 31.12.2006:

  • insgesamt 46 Jugendliche haben die PS durchlaufen, wovon noch 39 per 31.12.2006 Schüler sind
  • Durchschnittsalter von 18,06 Jahren

Stand per 29.03.2007:

  • insgesamt 67 Jugendliche haben die PS durchlaufen, wovon noch 58 per 31.12.2006 Schüler sind
  • Durchschnittsalter von 18,31 Jahren

Aus der Statistik ist zu entnehmen, dass bereits 9 Jugendliche die PS verlassen haben. Dies hat unterschiedliche Gründe:

  • 1 Jugendlicher ist in die überbetriebliche Ausbildung eingestiegen,
  • 2 Jugendliche nehmen an einer BVB Maßnahme teil,
  • 3 Jugendliche sind in den Strafvollzug gegangen,
  • 1 Jugendlicher ist in die Schule zurückgeführt worden,
  • 2 Jugendliche sind arbeitslos gemeldet. Diese beiden haben ihr Desinteresse mit extrem hohen Fehlzeiten belegt und eine Arbeit mit ihnen nicht mehr für wichtig gehalten.

Weitere Jugendliche werden regelmäßig bei uns aufgenommen. Es liegen bereits 6 Vormerkungen für einen voraussichtlichen Eintritt ab 01.09.2007 vor. Die Jugendlichen kommen aus allen Regionen des Landkreises. Wir haben weitere Jugendliche auf der Warteliste, die aus den unterschiedlichsten Gründen – wie z.B. die erforderliche Trennung vom Elternhaus, wenig Mobilität bei der Erreichung der PS – gerne in das Wohnheim der PS wollen. Wohnheimplätze sind vorhanden. Dabei ist eine Kostensatz von 15,50 € pro Tag erforderlich. Zur Zeit ist jedoch noch keine Finanzierungsmöglichkeit, auch nicht im Einzelfall, gegeben. Die Grundfinanzierung der Produktionsschule in Greven kann im Rahmen des ASP-Programms B.4.3 aus ESF- und Landesmitteln für den Zeitraum der alten und der neuen Phase des Operationellen Programms bis 2013 erfolgen. Eine Förderung durch das ASP kann bis zum Jahr 2007 90% der förderfähigen Kosten betragen; eine Mitfinanzierung ist dann in Höhe von 10% erforderlich. Ab 2008 soll diese örtlich-kommunale Mitfinanzierung um jährlich 5% pro Jahr auf 40% im Jahr 2013 gesteigert werden. Die erforderliche örtlich-kommunale Mitfinanzierung soll vom Landkreis Parchim bzw. Dritten erfolgen.

Der Beirat in den Werkstätten

Der Beirat in den Werkstätten

Grundlage der Produktionsschule muss eine einvernehmliche Abstimmung mit der regionalen Wirtschaft sein, die auch eine Mitverantwortung der Leitung übernehmen soll. Vor dem Hintergrund der Einbindung der Schule in die regionale Wirtschaft und die regionalen Gegebenheiten wünscht die Landesregierung daher für die Produktionsschule zwei Leitungsorgane: ◾zum einen die Schulleitung der Produktionsschule Westmecklenburg mit der Aufgabe der pädagogischen, inhaltlichen und personellen Verantwortung der Schule und ◾zum anderen eine verbindliche Beiratsleitung unter Beteiligung der Kammern (IHK und HWK), Kreishandwerkerschaft und Gartenbauverband, der Wirtschafts- bzw. Unternehmerverbände, der Gewerkschaft und des Landkreises Parchim. Dieser Beirat gibt sich selbst eine Ordnung und hat die Aufgabe, die von den jungen Menschen zu erstellende Produktpalette sowie die daraus zu erzielenden Einzelpreise festzulegen, um eine Wettbewerbsverzerrung zu vermeiden. Dieser Beirat wurde am 13.11.2006 termingerecht (Auflage Gründung bis zum 30.11.2006) gegründet.

Das Herz der Produktionsschule ist die Produktion. Dies wird verwirklicht durch marktorientierte Produktions- und Lernprozesse. Die Jugendlichen werden gemeinsam mit ihren Werkstattpädagogen Produkte produzieren, die sie auch verkaufen werden. Dabei ist es wichtig, dass die Jugendlichen ihre Ideen bei der Produktpalette mit einbringen. Sie sind dabei gefragt und können und sollen dabei mitwirken.

Hier einige Beispiele:

andrea

Die Werkstattpädagogen haben bei der Erstellung der Produktpalette mit ihren Schülern drei Bestandteile in der Vorbereitung beachtet:

  • der Blick auf die zu erbringenden Erlöse als Bestandteil der Gesamtfinanzierung der PS.
  • Produkte herzustellen, die mit den tätigen Jugendlichen jetzt und nach einer Übungszeit auch tatsächlich geleistet werden können.
  • welche Persönlichkeitseigenschaften bei den Produktionsschülern zwingend erforderlich sind um diese Produkte schaffen und vermarkten zu können. Dies wird gesehen als ein wichtiger Bestandteil auf die Vorbereitung der Zeit nach der PS.

Ein Produkt in der Werkstatt Küche ist unter anderem das Herstellen des Frühstücks- und Mittagsangebotes. In der Tagesstruktur der Produktionsschule ist die Einnahme einer gemeinsamen Mahlzeit vorgesehen. Der tägliche gemeinsame Mittagstisch entwickelt sich zu einem Kultur-Ritual bei dem Stolz auf Gemeinsamkeit und Zugehörigkeit spürbar ist. Der Beirat bestätigte die vorgelegte Produktpalette mit ihrem Umfang und ihren Preisen. Nach Bestätigung durch den Beirat wurde der Produktkatalog veröffentlicht. Die Werkstätten seit der Beiratsgründung für Besucher, Gäste und Kunden geöffnet. Alle Mitarbeiter sind mit großen Ideen zur Produktherstellung angetreten und mussten ihre Vorstellungen etwas bremsen, nachdem sie sich von den jetzigen Möglichkeiten der Jugendlichen überzeugt haben:

  • Die Mitarbeiter hatten sich den Anspruch gestellt, dass von Beginn an, die in einer Produktionsschule üblichen Tagesstrukturen verwirklicht werden. Dazu gehört der gemeinsame Mittagsimbiss aller Pädagogen und Jugendlichen. Das dies geschafft wurde, ist nicht zuletzt der Gruppe in der Küche zu verdanken.
  • Inzwischen werden von dem Team in der Küche neben dem Frühstücksangebotes täglich ca. 80 Essen hergestellt.

Als eine Aktivität zur Vermarktung der Produkte und der Öffentlichkeitsarbeit hat sich die Produktionsschule mit einem Verkaufsstand für 3 Tage am Schweriner und für 2 Tage am Parchimer Weihnachtsmarkt beteiligt. Die Produktion der dort zum Verkauf angebotenen Produkte haben alle Werkstätten aktiv betrieben. Dabei war die Beteiligung der Schüler beim Aufbau und beim Verkauf auf dem Markt ein wichtiger Baustein der Festigung des Teams. Neben der täglichen Arbeit in den Werkstätten können die jungen Menschen auch individuell ausgerichtete Bildungsmodule wie z. B. das Nachholen von Schulabschlüssen erwerben. Hier wurde mit den Jugendlichen begonnen sie auf die externe Nichtschülerprüfung vorzubereiten. In dieser Phase fand für jeden Produktionsschüler, der eine Nichtschülerprüfung ablegen möchte, nach Absolvieren eines Kompetenztest, die Einteilung in eine für seine Lernvoraussetzungen geeignete Schülerklasse statt. Ein solcher Unterricht soll ergänzende Funktion haben, möglichst in die praktische Arbeit eingebunden sein und vor Ort an der Schule stattfinden.